Wie du einen Klettertag retten kannst, an dem du dich wie ein Kartoffelsack fühlst

Klettertag retten

Ich war von Mitte Jänner an für ein Monat in Neuseeland und in der Südsee unterwegs. Es war ein wunderschöner und genialer Urlaub mit wahnsinnig tollen Eindrücken! So gern ich aber auf Reisen bin und die Zeit in der Ferne genieße, so sehr freue ich mich auch wieder auf daheim. So auch diesmal. Ich hatte mich auch schon wieder sehr darauf gefreut, mit lieben Freunden klettern zu gehen – aber nix da. Kaum war ich zu Hause, hat mich eine ganze Armee von Erkältungsteufelchen überfallen. Bis ich wieder halbwegs auf den Beinen war,  dauerte es und insgesamt fasste ich eine über 4-wöchige Kletterpause aus… puuuuh…

Ganz unbekannt ist mir die Situation nicht. Es gibt ja immer wieder Phasen, in denen eine mehr oder weniger lange Kletterpause ansteht – sei es wegen einer Verletzung, Krankheit oder im besseren Fall wegen eines längeren Urlaubs oder einer bewussten Regenerationsphase. Eines aber haben die Kletterabstinenzen meist gemein – der erste Klettertag danach ist eine mittlere Katastrophe.

Null Körperspannung, null Kraft, null Ausdauer, null Koordination und die Bewegungen fühlen sich irgendwie eckig an. Fast als würde sich ein Kartoffelsack die Wand hocharbeiten. Auch diesmal war ich kurz davor, mich so richtig zu ärgern. Darüber, dass das ganze Training der Wochen vorm Urlaub umsonst war und ich wieder bei null beginnen kann. Aber auch das hat mich die Vergangenheit gelehrt – ein paarmal klettern gehen und schon schaut die Welt wieder ganz anders aus und die Form von vor der Kletterpause kommt auch wieder in Reichweite. Also alles halb so schlimm. Damit geht es jetzt um Klettertag retten und das Beste aus dem Kartoffelsack-Klettern zu machen.

Leider läuft es aber nicht nur nach Kletterpausen etwas unrund. Ein stressiger Tag in der Arbeit, in der Nacht schlecht geschlafen – manchmal passt es beim Klettern einfach nicht so, wie wir das gerne hätten.

Allein mit der Routenauswahl kannst du deinen Klettertag maßgeblich beeinflussen. An Tagen, an denen du motiviert trainieren möchtest, hast du bestimmt eine Vorstellung, welche Routen du gerne in Angriff nehmen möchtest. An Kartoffelsack-Tagen – an denen einfach nichts so läuft wie du das gerne hättest – da können dir folgende Tipps deinen Klettertag retten:

Wie du mit der richtigen Routenauswahl deinen Klettertag retten kannst

  • Schwere Routen im Toprope klettern – Wenn sich die Angst bei dir an Kartoffelsack-Tagen noch stärker zeigt, dann kann es dir helfen, an einem solchen Tag schwierige Routen im Toprope zu klettern. In der Kletterhalle ist dies meist leichter möglich – eine leichte Route hinauf zum Seil-Einhängen und dann eine schwerere Route hinten nach. Bei mir passiert es immer wieder mal, dass ich im Toprope in einer schwierigen Route Züge lösen kann, über die ich mich so richtig freue – und dann kommt die Motivation für die nächsten Routen mitunter ganz von selbst. Unter http://www.climbingflex.de/vorstieg-oder-top/ findest du einen tollen Artikel, der sich mit der Frage "Vorstieg oder Toprope?" beschäftigt.
  • Routen spulen - Nimm dir ganz bewusst Routen vor, die du normalerweise sicher durchsteigen kannst. Damit es Freude macht, sollten es keine ganz leichten Aufwärmrouten sein. Wähl dir Routen etwa ein bis zwei Schwierigkeitsgrade unter deinem Onsight-Niveau aus.
  • Lieblingsrouten klettern - Mach dir eine Freude und klettere deine Lieblingsrouten. Auch wenn sie viel zu leicht sind. Das einzige Ziel des heutigen Klettertages ist es, dass du Freude hast. Lass diesmal alle Angstgegner und besonderen Kunstwerke der Routensetzer getrost aus.
  • Kletterpartner sucht Kletterrouten aus - Diese Übung bietet sich vor allem dann an, wenn du dir an unmotivierten Tagen immer dieselben und vielleicht viel zu leichten Routen aussuchst. Wichtig ist, dass du deinem Kletterpartner sagst, ob du heute trainieren oder einfach nur gemütlich klettern möchtest. Je nachdem sollte dein Kletterpartner die Schwierigkeit der Routen auswählen.
  • Kletterrouten des Kletterpartners nachklettern - Wenn dein Kletterniveau annähernd mit dem deines Kletterpartners zusammenpasst, kannst du die Routen deines Partners nachklettern. Damit musst du dir keine Gedanken über die Routenauswahl machen und steigst auch in Routen ein, die nicht zu deinen Favoriten gehören.

Wie du die Tipps am besten umsetzen kannst

Die Tipps lassen sich am Einfachsten in der Kletterhalle umsetzen. Natürlich kannst du einige davon auch auf den Felsen übertragen. Am Felsen empfehle ich dir vor allem die Auswahl eines Klettergartens, den du grundsätzliche gerne hast – wenn es die Temperaturen zulassen, am besten einen, der sonnig ausgerichtet ist. Von einem Klettergarten in dem lauter Angstgegner-Routen warten, mit womöglich sehr moralischer Absicherung, würde ich an einem Tag mit wenig Motivation eher die Finger lassen.

Was tun, wenn das alles nicht hilft?

Es kann aber auch passieren, dass keiner dieser Tipps greift, es bei dir einfach nicht läuft und keine Motivation und Freude aufkommt. Vielleicht bist du heute auch nur deshalb in die Kletterhalle gekommen, weil du dich mit einem Freund, einer Freundin verabredet hast und das Treffen nicht absagen wolltest.

Auf jeden Fall kannst du dir zugestehen das Klettern bleiben zu lassen, wenn es keine Freude bereitet. Vielleicht ist es für diesen Tag eine reizvollere Alternative auf ein Bier zu gehen. Morgen sieht die Welt bestimmt wieder anders aus!

Welche Tricks wendest du zum Klettertag retten an, wenn es mal nicht so läuft, wie du gerne hättest?

Trag dich ein und versäume keinen meiner Klettertipps

 

3 Kommentare

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    Volker Roth

    Antworten Antworten 7. März 2016

    Super Tipps! Mache ich in etwa genauso. Man kann sich aber auch an die Auf und Ab’s gewöhnen. Wenn Du schwerer kletterst, ist das sowieso immer der Fall. Du kannst nicht immer nur Höchstleistungen vollbringen. Viele Kletterer wollen immer nur am Leistungslimit klettern. Das funktioniert nicht auf Dauer. Man kann auch mit weniger zufrieden sein und Spaß haben.
    Nach einigen Trainigstagen/Wochen läuft es dann schon wieder. Und das macht doch umso mehr Spaß! Du gewöhnst Dich an diese Situationen und wirst mit der Zeit auch in Deinen Projekten lockerer und findest eine gute Balance zwischen Anspannung und Ausgeglichenheit. Darüber könnte man Bücher schreiben…
    Grüße aus der Fränkischen Schweiz
    Volker

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    Carlos

    Antworten Antworten 10. März 2016

    Schöne Tipps, ich kenne das auch… nach einer langen Zeit ohne zu klettern und dann wie das schöne Wort sagt: Wie ein Kartoffelsack sich zu fühlen!!

    Bei mir helfen einige Koordinationsübungen an der Wand, z.B. die Füße gezielt an verschiedenen Tritte zu platzieren.

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